Burnout: Warum sind gerade Führungskräfte im mittleren Management gefährdet?

Burnout
Führungskräfte im mittleren Management sind unter Druck, weil sie merken, dass Hierarchien abflachen. Gleichzeitig sind sie mit ihrer Arbeit so überlastet, dass sie keine Zeit für eine berufliche Neuorientierung finden. Genau deshalb wird Burnout zum Risiko.

Inhaltsverzeichnis

Das sind deine Key-Take-Aways

  • Der Trend zu flachen Hierarchien setzt klassische Managementrollen unter Druck.
  • Burnout ist keine persönliche Schwäche, sondern ein transformationales Dilemma.
  • Veränderungen und Arbeitsdruck greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig.
  • Eine wirksame Prävention braucht organisatorische und persönliche Maßnahmen.

Das mittlere Management steht unter Druck

Durch das Abflachen von Hierarchien verändern sich nicht nur Prozesse und Geschäftsmodelle, sondern auch Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Rollen. Führungskräfte im mittleren Management stehen dabei oft unter doppeltem Druck. Sie halten den Betrieb am Laufen und merken gleichzeitig, dass sie durch noch mehr Einsatz ihre eigene Position nicht wirklich stärken.

Wenn Engagement Neuorientierung verdrängt

Der Versuch, sich Zeit für eine gezielte berufliche Neuorientierung zu nehmen, scheitert oft an der Realität. Der Kalender ist voll, Themen drängen und Abstimmungen ziehen sich durch den Tag, während die Belastungen unbemerkt weiterlaufen.

Was ist Burnout und wie wird es beschrieben?

„Burnout ist ein Syndrom, das als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz verstanden wird, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Es ist durch drei Dimensionen gekennzeichnet:

  • Gefühle von Energiemangel oder Erschöpfung,
  • erhöhte geistige Distanz zum Arbeitsplatz oder Gefühle von Negativismus oder Zynismus im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz, und
  • verringerte berufliche Wirksamkeit.

Burnout bezieht sich spezifisch auf Phänomene im beruflichen Kontext und sollte nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen herangezogen werden.“

Das ist die Definition der WHO zu Burnout.

Wie du Burnout Anzeichen im Führungsalltag erkennst

Julia ist eine junge und ehrgeizige Persönlichkeit, die hohe Erwartungen an sich selbst hat und ihre Aufgaben engagiert angeht. Sie hat nach ihrem Studium der Betriebswirtschaft in einem großen Unternehmen begonnen und sich dort zur Abteilungsleiterin im Rechnungswesen hochgearbeitet.

Früher begann sie den Tag mit Schwung und Elan. Seit einigen Monaten merkt sie deutliche Veränderungen.

Im gesamten Unternehmen werden nach und nach KI-Agenten eingesetzt und der Bedarf an Fachexperten steigt. Einige Kollegen im mittleren Management wurden nach deren Ausscheiden nicht mehr nachbesetzt. Das Unternehmen will dynamischer, agiler und schneller agieren und Entscheidungswege verkürzen.

Einerseits versteht Julia das, andererseits fürchtet sie, dass auch ihre Stelle und Rolle früher oder später nicht mehr in der derzeit bestehenden Form benötigt werden. Sie arbeitet noch mehr und länger, um ihrem CEO zu beweisen, dass sie einen guten Job macht. In Wirklichkeit führt sie zwischen Erwartung und Erschöpfung.

Das zeigt bereits Folgen. Sie schläft nicht mehr so leicht ein, vergisst Dinge und zieht sich öfter als früher zurück. Manchmal hat sie den Eindruck, dass sie nur noch funktioniert. Diese Symptome können auf Burnout Anzeichen im beruflichen Kontext hinweisen.

Heute sitzt sie bei mir im Vortrag „Burnout verstehen und vorbeugen in Zeiten des Wandels“. Sie möchte ihre Symptome einordnen und danach ihre berufliche Neuorientierung in Angriff nehmen.

Burnout ist ein Prozess in Phasen und nicht einfach da

Herbert Freudenberger, ein Psychoanalytiker und klinischer Psychologe, und sein Kollege Gail North stellen den Burnout-Verlauf in zwölf Phasen dar:

Phase 1: Der Zwang, sich zu beweisen
Phase 2: Verstärkter Einsatz für Ziele
Phase 3: Subtile Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
Phase 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
Phase 5: Umdeutung von Werten
Phase 6: Verleugnung auftretender Probleme
Phase 7: Rückzug von der Umwelt
Phase 8: Beobachtbare Verhaltensänderung
Phase 9: Depersonalisation
Phase 10: Innere Leere
Phase 11: Schwere Depression
Phase 12: Zusammenbruch

Die Anfangssymptome sind auch bei Julia deutlich zu erkennen. Das bedeutet aber nicht, dass daraus dann in jedem Fall Burnout folgt.

Erkenne die Warnsignale und nimm sie ernst

Am Beispiel von Julia ist gut zu erkennen, dass ihr Körper und ihr Geist bereits Signale senden. Gleichzeitig kann man an Emotionen oder geändertem Verhalten Anzeichen erkennen, die auf Burnout hindeuten. Sehen wir uns ein paar solche Warnsignale an:

Körperliche Warnsignale:
Müdigkeit, Schlafstörungen, Atemnot

Geistige Warnsignale:
Vergesslichkeit, Negativität, Gleichgültigkeit

Emotionale Warnsignale:
Gereiztheit, Verstimmung, Angst

Verhaltensbezogene Warnsignale:
Zynismus, Rückzug, Intoleranz

Gibt es einen Burnout-Typ unter Führungskräften?

Freudenberger beschrieb in seinen Beobachtungen begeisterungsfähige, dynamische und zielorientierte Persönlichkeiten. Maslach beobachtete zurückhaltende Menschen mit Mangel an Selbstvertrauen und Ehrgeiz. Rösings Analysen zeigen ein gemischtes Bild: Es gibt Studien, in denen Männer anfälliger waren, und solche, in denen das auf Frauen zutrifft.

Ein eindeutiger Burnout-Typ lässt sich anhand dieser Aussagen nicht ableiten. Das sehen wir auch am Beispiel der Führungskraft Julia. Sie ist zielorientiert, eher zurückhaltend und ehrgeizig und passt somit in keinen „vorgefertigten Rahmen“.

Diese Risikofaktoren wirken im Management

Burnout ist keine Folge einer einmaligen Belastung. Es entsteht durch wiederholte organisatorische Belastung und persönliche Muster, die über längere Zeit zusammenwirken.

Organisatorische Risikofaktoren

  • Unklare Zuständigkeiten durch geänderte Strukturen
  • Konfliktsituationen und steigender Leistungsdruck
  • Kein Raum für berufliche Standortbestimmung

Persönliche Risikofaktoren

  • Wunsch nach Status und Anerkennung
  • Tendenz zu Perfektionismus und Ehrgeiz
  • Fehlende Abgrenzung und Harmoniebedürfnis

Burnout Prävention muss auf mehreren Ebenen greifen

Prävention gelingt, wenn auf organisatorischer und persönlicher Ebene Bewusstsein geschaffen und Maßnahmen gesetzt werden:

Auf organisatorischer Ebene

  • Evaluiere deinen Arbeitsplatz
  • Führe Gespräche mit Vorgesetzten
  • Fordere eine Präventions-Checkliste

Auf persönlicher Ebene

  • Beachte deine eigenen Grenzen
  • Erkenne deine eigenen Bedürfnisse
  • Starte frühzeitig mit Veränderungen

Nimm dir Zeit für deine berufliche Neuorientierung

Achte darauf, dass du die Zeichen der Zeit erkennst und frühzeitig agierst. So hast du die nötige Energie, um kreativ zu denken und deine berufliche Neuorientierung leichter zu gestalten.

 

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