Toxische Positivität: Wenn Masken fallen

Gelber Hintergrund, darauf eine Frau mit Maske vor dem Gesicht, die ein Smiley ist
Wenn negative Gefühle abgewertet werden, entstehen gesundheitliche Risiken und Missverständnisse in der Kommunikation. Erfahre, warum Reflektieren wichtiger ist als jede erzwungene positive Haltung.

Deine Key-Take-Aways

  • Gefühle sind wertvolle Informationen unseres inneren Navigationssystems.
  • Die wiederholte Unterdrückung von Emotionen führt zu psychischem Stress.
  • KI-Systeme verstärken durch übermäßig zustimmende Chatbots das Problem.
  • Organisationen brauchen Raum, um Gefühle zu reflektieren und einzuordnen.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Stell dir vor, du vertraust einem Kollegen an, dass du gerade richtig gestresst und erschöpft bist. Statt Fragen zu stellen hörst du solche oder ähnliche Worte: „Kopf hoch, das wird schon wieder. Mir geht es auch nicht viel besser als dir.“

Obwohl gut gemeint, werden deine Gefühle in diesem Augenblick ignoriert, abgewertet oder verharmlost.

Rein positives Denken kann Probleme nicht lösen. Wenn die Realität von gemachten Erfahrungen nicht erkannt und akzeptiert wird, kann rasch ein Kreislauf toxischer Positivität entstehen.

Was bedeutet toxische Positivität?

Toxische Positivität ist der Zwang zu einer positiven Einstellung, bei der negative Emotionen wie Angst abgewertet, unterdrückt oder sozial sanktioniert werden. Sie führt dazu, dass Gefühle als Störung statt als wertvolle Informationen für das eigene Handeln erlebt werden.

Warum tun wir uns das an?

Die Ursachen sind meist multikausal. Individuelle Motive, soziale Verstärkung und kulturelle Normen greifen oft ineinander. Besonders in westlichen Gesellschaften herrschte jahrzehntelang ein ausschließlicher Fokus auf Produktivität nach dem Motto „Keep calm and carry on“.

Überbetonung von Positivität wird auch oft genutzt, um Erfolg zu untermauern, während die komplexen Realitäten, die hinter Erfolgen stecken, nicht kommuniziert werden.

Wer unangenehme innere Zustände als unzulässig bewertet, investiert mehr Energie in das Wegdrücken von Gefühlen statt in eine reflektierte Verarbeitung von gemachten Erfahrungen.

Zwischen Surface Acting und Ton-Policing

In Organisationen mit hoher Belastung oder Unsicherheit wird oft versucht, Ruhe und positives Auftreten zu kultivieren, statt reale Probleme anzusprechen. Positivität wird als Leistungsindikator missverstanden. Das führt dazu, dass Führungskräfte und Mitarbeiter zum sogenannten „Surface Acting“ greifen: sie lächeln, obwohl sie erschöpft sind.

Wenn Gefühle in den Aussagen nicht zugelassen oder nicht ernst genommen werden, entsteht „Ton-Policing“. Es ist eine rhetorische Taktik, mit der von Risiken und Realitäten abgelenkt wird.

Wenn authentische Gefühle nicht anerkannt werden, kann das zu gesundheitlichen Risiken und zu gravierenden Missverständnissen in der Kommunikation führen.

Beschwichtigen führt dazu, dass das gesamte emotionale Spektrum nicht wertgeschätzt wird. Es fehlen wichtige Daten über Grenzen, Risiken und Bedürfnisse von Mitarbeitenden. Weiters wird die Kompetenz zu reflektieren, nicht entwickelt.

Unterschiedliche Rollen, ähnliche Wirkung

Männer und Frauen erleben toxische Positivität oft unterschiedlich:

Männer neigen oft dazu, Emotionen nach innen zu unterdrücken: „Nichts anmerken lassen“.

Bei Frauen tritt sie häufiger als soziale Erwartung von außen auf: „Sei freundlich und kooperativ.“

Und welche Rollen spielen Social Media und Sprachmodelle?

Wir treten in eine Ära ein, in der nicht nur Social Media, sondern auch generative KI unsere emotionale Welt mitgestalten wird.

In sozialen Medien verstärken bereits seit langem perfekt polierte Inhalte den „Positivity Bias“.

Heute wird darüber hinaus über „KI-Sykophantie“ diskutiert. Dabei handelt es sich um eine Art digitaler Schleim, der von Sprachmodellen für überfreundliche Antworten genutzt wird, um den Nutzer zu gefallen statt objektive Informationen zu liefern.

Was hilft?

Um toxischer Positivität entgegenzuwirken, ist es entscheidend, dass du als Führungskraft die Ursachen und Konsequenzen erkennst. Hier findest du ein paar Ansätze:

  • Zuhören statt beschwichtigen
  • Gefühle als Daten betrachten
  • Reflexionsräume schaffen
  • Authentizität vorleben

Achte darauf, dass Realitäten und Gefühle nicht verharmlost oder ignoriert, sondern in einem wertschätzenden Rahmen ausgedrückt und verarbeitet werden können.

 

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