Warum starke Führungskräfte nicht immer dieselben Führungsrollen spielen

Frau mit Brille, weißer Bluse und beiger Jacke im Vordergrund. Im Hintergrund Techniker mit orangen Schutzjacken und weißen Schutzhelmen.
Wirkung entsteht, wenn du deine Führungsrollen bewusst auswählst. Erfahre am Beispiel von Betriebsleiterin Sabine, warum ein flexibles Rollenverständnis heute wichtiger denn je ist.

Deine Key-Take-Aways, was Rollenflexibilität im Alltag von Führungskräften bedeutet:

  • Setze Führungsrollen strategisch ein, um deine Ziele leichter zu erreichen.
  • Wähle Führungsrollen gezielt aus, um die Teamdynamik zu gestalten.
  • Streife Führungsrollen bewusst ab, wenn sie keine Wirkung mehr erzeugen.

Das klingt ganz plausibel, gleichzeitig aber auch komplex.

Werfen wir also einen Blick hinter die Kulissen, wie Rollen den Alltag von Führungskräften prägen.

Dazu erzähle ich dir von Sabine, die ich als Beraterin durch eine Phase der beruflichen Veränderung begleitet habe. An ihrem Beispiel ist gut erkennbar, warum starke Führungskräfte nicht immer dieselben Führungsrollen spielen.

Welche Rollen spielt Sabine heute?

Sabine ist Betriebsleiterin in einem mittelgroßen Unternehmen in der Elektroindustrie. Sie führt ein Team von zwanzig Mitarbeitenden. Darunter befinden sich Techniker, Monteure und Ingenieure. Jahr für Jahr kommen noch einige Lehrlinge dazu, die sich bei ihr zu Elektrotechnikern ausbilden lassen.

Bereits während unseres ersten Gesprächs ist mir etwas aufgefallen.

Sie hat sich unter anderem als

  • Repräsentantin
  • Kauffrau
  • Planerin
  • Problemlöserin und
  • Verhandlerin

bezeichnet.

Das Interessante war, dass sie diese Rollen tatsächlich auch genau so nannte. Meist beschreiben Kunden, was sie machen, aber nicht, welcher Rolle das entspricht. Bei Sabine war das anders.

Am Ende ihrer Aufzählung erwähnte sie noch, dass ihre Mitarbeitenden sie vor allem als Kontrolleurin wahrnehmen. Das war ein spannender Moment. Denn diese Rolle erwähnte sie nicht so selbstverständlich wie die anderen Rollen.

Die Dynamik im Raum änderte sich.

In diesem Moment wurde klar, dass es nicht nur um ihr Rollenverständnis ging. Es ging auch um die Wirkung, die ihre Führungsrollen im System erzeugen.

Bevor wir hier gleich tiefer eintauchen, beleuchten wir noch folgende Fragen:

Wie entstehen Rollen?

Rollen entstehen bereits mit der Geburt. Sie begleiten uns ein Leben lang und schaffen Identität. Sabine wurde zum Beispiel als Schwester geboren, ihre Mutter nannte sie als Kleinkind „meine Prinzessin“ und für ihren Bruder war sie „die Beschützerin“.

Was sind Führungsrollen?

Führungsrollen umfassen Denk- und Verhaltensweisen sowie Aufgaben und Erwartungen, in die Führungskräfte bei der Ausübung ihrer Funktion schlüpfen. Sie dienen als Orientierungsrahmen, um Komplexität zu reduzieren und die Wirkung innerhalb der Organisation zielgerichtet auf die Bedürfnisse des Gegenübers auszurichten.

So sieht das im Führungsalltag aus:

  • Bei jedem Gegenüber nehmen Führungskräfte verschiedene Rollen ein.
  • Mit der Übernahme einer Rolle verändern sich die Denkmuster von Führungskräften.
  • Die eingenommene Rolle hilft ihnen, eine Beziehung zum Gegenüber aufzubauen.
  • Wenn sie eine bestimmte Rolle ausüben, löst das beim Gegenüber Reaktionen aus.
  • Führungsrollen definieren Status und zeigen gleichzeitig die systemische Komplexität auf.
  • Es ist entscheidend, Rollen gezielt einzusetzen, sie aber auch bewusst abzustreifen.

Genau das war auch bei den Schilderungen von Sabine gut erkennbar. Ihre Führungsrollen sind nicht nur fachlich anspruchsvoll, sie sind auch sozial, emotional, organisatorisch und strategisch relevant.

Die verschiedenen Rollen helfen ihr, ihre Energie genau dort einzusetzen, wo sie den größten Unterschied macht. Sabine konnte sich im Großen und Ganzen gut mit ihren Rollen identifizieren. Die Kontrolleurin machte ihr aber zu schaffen. Beleuchten wir also das Rollenrepertoire von Sabine näher.

Was bedeutet Rollenrepertoire?

Rollen sind einem ständigen Wechsel unterzogen. Welche Rollen Führungskräfte einnehmen, ist eine Frage des Kontextes, der Strategie, der Ziele und der Wirkung.

Sehen wir uns etwas genauer an, in welche Rollen Sabine aktuell schlüpft:

Sie erzählte, dass sie als Repräsentantin wissen muss, welche Strategie der Geschäftsführer verfolgt. Als Planerin gestaltet sie Anlagen von Kunden mit und als Kauffrau hat sie die Zahlen im Blick. Wenn sie bei Kunden ist, will sie als Verhandlerin nicht nur gute Ergebnisse für ihr Unternehmen erzielen, sondern bei ihren Kunden als Problemlöserin erkannt werden.

Während unseres Gesprächs wurde klar, dass das Problem tiefer liegt.

Die Kontrolleurin war nur der Auslöser.

Sabine spürte, dass das aktuelle Rollenrepertoire nicht mehr die nötige Wirkung erzeugt.

Im Kern ging es darum, dass ihr die organisatorischen Veränderungen und die ständig wechselnden Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden zu schaffen machten. Sie muss rascher und flexibler auf neue Situationen reagieren als früher.

Die bisherigen Rollen helfen ihr dabei nur mehr bedingt.

Führung braucht Rollenflexibilität

Der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel beschäftigen Führungskräfte schon lange. Seit einigen Jahren nimmt die digitale Transformation Fahrt auf. Es entstehen neue Geschäftsmodelle, neue Prozesse und der Einsatz von KI wird noch viele Jobs neu definieren.

Mitarbeitende brauchen heute mehr Vertrauen, Orientierung und Richtung.

Gewohnte Denkmuster und Verhaltensweisen helfen nur mehr bedingt, die dafür erforderlichen Beziehungen aufzubauen. Jahrelang gepflegte Rollen werden nur mehr am Rande benötigt, weil Aufgaben wie planen, analysieren und berechnen auch von KI-Agenten durchgeführt werden können.

Andere Aufgaben brauchen andere Rollen, damit Wirkung erzeugt wird.

Welche Rollen wird Sabine zukünftig spielen?

Für Sabine ist es wichtig, sich mit dieser Frage genau zu beschäftigen.

Sie hat aktuell Rollen, die sie sich selbst zugeschrieben hat und eine Rolle, die ihr ihre Mitarbeitenden zugeschrieben haben.

Die Summe an Rollen, die Sabine jemals eingenommen hat, stellt ihr Rolleninventar dar. Entscheidend ist, das Rolleninventar jetzt einer Inventur zu unterziehen.

Eine von der Kelley School of Business durchgeführte Studie nennt als zukünftig erforderliche Führungsrollen die von Moderatoren, Ermöglichern, Katalysatoren und Kommunikatoren.

Sabine möchte auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden besser eingehen. Sie will ihrem Team mehr Entscheidungsspielraum ermöglichen und Verantwortung delegieren.

Dabei hat sie mehrere Herausforderungen:

Sie muss nicht nur ihre eigenen Rollen neu sortieren, sondern auch die Rollen ihrer Mitarbeitenden neu denken, wenn KI-Agenten Aufgaben ganz oder teilweise übernehmen werden. Ergänzend muss sie lernen, Rollen, die nicht mehr dienlich sind, bewusst abzustreifen.

Was du von Sabine mitnehmen kannst:

Starke Führungskräfte spielen nicht immer dieselben Führungsrollen. Erkenne, welche Führungsrollen du aktuell wahrnimmst und prüfe, ob du damit die für deine Ziele erforderliche Wirkung erreichst. Wenn nicht, stelle dir ein neues, passendes Rollenrepertoire zusammen.

Wenn du als Führungskraft deine Führungsrollen reflektieren und zielgerichtet definieren willst, unterstütze ich dich gerne. Klicke HIER und sichere dir dein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch mit mir.

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