Was ist meine Führungserfahrung im mittleren Management in der KI-Ära noch wert?

Führungserfahrung gezeigt an einem Mann und einer Frau, die entspannt durch einen Bürogang gehen
Deine Führungserfahrung im Mittelmanagement bleibt in der KI-Ära relevant, ihr Wert verschiebt sich aber. Entscheidend ist nicht die Zahl deiner Führungsjahre, sondern dein implizites Erfahrungswissen und deine Urteilskraft, weil KI Wissen leichter zugänglich macht.

Führungserfahrung ist mehr als die Zahl der Führungsjahre

Zehn Jahre Führungserfahrung im Lebenslauf bedeuten zunächst einmal nur, dass du zehn Jahre eine Führungsposition bekleidet hast.

Sie sagen nur begrenzt etwas darüber aus, welche Situationen du in dieser Zeit bewältigt hast, was du daraus gelernt und wie sehr du dein Führungsverhalten weiterentwickelt hast.

Die Studie „Leadership experience and leader performance: Some empirical support at last„ von Patrick J. Bettin und John K. Kennedy zeigt, dass weder die Dauer der Berufserfahrung noch die Zahl früherer Positionen die Führungsleistung vorhersagten. Ausschlaggebender war, wie relevant die bisherige Erfahrung für die aktuelle Führungsaufgabe war.

Du kannst jahrelang ähnliche Situationen mit denselben Routinen bewältigen. Oder du hast Veränderungen begleitet, Konflikte gelöst, Fehlentscheidungen korrigiert und deine bisherigen Annahmen immer wieder hinterfragt.

Bewährte Muster können dir Orientierung geben. Sie können aber auch zum Hindernis werden, wenn du neue Situationen vorschnell mit bekannten Lösungen beantwortest.

KI verschiebt den Wert deiner bisherigen Führungserfahrung

Ein Teil deiner bisherigen Führungsleistung beruhte bislang auf einem Wissensvorsprung gegenüber weniger erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Genau hier verändert KI die Spielregeln.

Gespeichertes Wissen verliert seinen exklusiven Vorsprung

Methoden, Modelle und Prozesse musstest du dir früher über die Jahre aneignen. Heute kann KI große Mengen an digital verfügbarem Wissen binnen Minuten recherchieren und strukturieren.

Damit kann KI bei bestimmten wissensintensiven Aufgaben einen Teil des Vorsprungs verkürzen, der bislang mit langjähriger Erfahrung verbunden war.

Führungserfahrung wird dadurch nicht überflüssig. Wenn dein Führungsverständnis aber darin besteht, durch einen Wissensvorsprung deinen Status zu sichern, wirst du in der KI-Ära schnell an Relevanz verlieren.

Implizites Erfahrungswissen gewinnt relativ an Wert

Anders sieht es mit Wissen aus, das sich nicht einfach dokumentieren lässt. Es entsteht aus konkreten Führungssituationen, aus Beobachtungen, Fehlentscheidungen, Wechselwirkungen und Korrekturen und zeigt sich häufig auch in intuitiven Einschätzungen.

Dieses Wissen ist eng mit den Situationen verbunden, in denen es entstanden ist. Es lässt sich nur schwer vollständig in Worte fassen, formalisieren oder an andere weitergeben und ist deshalb auch für KI wesentlich schwerer zugänglich als dokumentiertes Wissen.

Typische Beispiele sind das Fingerspitzengefühl oder das intuitive Erkennen von Unstimmigkeiten. Gerade weil KI Wissen immer leichter zugänglich macht, gewinnt das implizite Wissen relativ an Wert.

Urteilskraft macht Erfahrung in neuen Situationen nutzbar

Der Wert des impliziten Erfahrungswissens zeigt sich erst dann, wenn du es in neuen Situationen wertschöpfend einsetzen kannst.

Entscheidend ist demnach nicht nur, was du implizit weißt, sondern vor allem, wie du dieses Wissen nutzt, um Situationen differenziert zu erfassen, Informationen fundiert zu prüfen, Interessen zu erkennen, Risiken abzuwägen und konsistente Entscheidungen zu treffen.

Dazu benötigst du Urteilskraft. Du entwickelst sie durch Erfahrung und Praxis und dadurch, dass du nicht nur das Ergebnis betrachtest, sondern auch den Prozess.

Besonders relevant wird sie dort, wo Informationen unvollständig sind, Interessen konkurrieren oder es keine eindeutige Lösung gibt. Genau dann hilft sie dir, Kontext und mögliche Konsequenzen bewusst in deine Entscheidung einzubeziehen.

Deine Erfahrung als Führungskraft wird jetzt neu bewertet

Deine Führungserfahrung verliert durch KI nicht automatisch an Wert, aber sie muss heute mehr leisten als Seniorität zu belegen. Ihr Wert zeigt sich darin, welches Wissen tief in dir verwurzelt ist und wie sicher du es in neuen Situationen einordnen, beurteilen und nutzen kannst.

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