Burnout: Wenn Engagement zum Risiko wird

Burnout
Du gibst alles, leistest mehr als andere, aber plötzlich fühlst du dich erschöpft. Burnout beginnt schleichend. Wenn du die Warnsignale früh erkennst, kannst du vorbeugen und dich schützen.

Deine Key-Take-Aways

  • Burnout ist keine persönliche Schwäche und kann alle im Unternehmen treffen.
  • Arbeitsdruck und eigene Ansprüche greifen ineinander und verstärken sich oft gegenseitig.
  • Körper und Geist sowie Emotionen und Verhalten senden klare Warnsignale.
  • Eine wirksame Prävention braucht organisatorische und persönliche Maßnahmen.

Ein typischer Fall

Die Arbeitswoche von Julia ist vollgepackt mit spannenden Themen. Sie mag ihre Aufgaben und möchte ihrem CEO beweisen, dass sie in ihrer Funktion richtig ist. Früher hat sie den Start in den Tag mit Schwung und Elan begonnen. Seit einigen Wochen merkt sie aber, dass ihre Energie schwindet. Sie fühlt sich ständig erschöpft, vergisst Dinge und zieht sich öfter als früher zurück. Manchmal hat sie den Eindruck, dass sie nur noch funktioniert.

Das ist kein Einzelfall und es sind typische Signale erkennbar, die im Zusammenhang mit Burnout auftreten können.

Was ist Burnout?

„Burnout ist ein Syndrom, das als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz verstanden wird, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Es ist durch drei Dimensionen gekennzeichnet:

  • Gefühle von Energiemangel oder Erschöpfung,
  • erhöhte geistige Distanz zum Arbeitsplatz oder Gefühle von Negativismus oder Zynismus im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz, und
  • verringerte berufliche Wirksamkeit.

Burnout bezieht sich spezifisch auf Phänomene im beruflichen Kontext und sollte nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen herangezogen werden.“

Das ist die Definition der WHO zu Burnout.

Die Entwicklung des Burnout-Begriffs hat eine lange Geschichte. Auch wenn es kaum vorstellbar ist, tatsächlich gab es bereits im Alten Testament 4. Buch Mose, 11, 11–15 und im 1. Buch der Könige, 19, Schilderungen über Erschöpfung infolge krisenhafter Frustrationserfahrungen.

Ein Prozess in Phasen

Herbert Freudenberger, ein Psychoanalytiker und klinischer Psychologe, und sein Kollege Gail North stellen den Burnout-Verlauf in zwölf Phasen dar. Diese Phasen zeigen den Weg vom Zwang, sich zu beweisen bis zum totalen geistigen, körperlichen und emotionalen Zusammenbruch.

Phase 1: Der Zwang, sich zu beweisen
Phase 2: Verstärkter Einsatz für Ziele
Phase 3: Subtile Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
Phase 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
Phase 5: Umdeutung von Werten
Phase 6: Verleugnung auftretender Probleme
Phase 7: Rückzug von der Umwelt
Phase 8: Beobachtbare Verhaltensänderung
Phase 9: Depersonalisation
Phase 10: Innere Leere
Phase 11: Schwere Depression
Phase 12: Zusammenbruch

Erkenne die Warnsignale

Am Beispiel von Julia ist gut zu erkennen, dass ihr Körper und ihr Geist bereits Signale senden. Gleichzeitig kann man an Emotionen oder geändertem Verhalten Veränderungen erkennen. Sehen wir uns ein paar solcher Warnsignale an:

Körperliche Warnsignale:
Müdigkeit, Schlafstörungen, Atemnot

Geistige Warnsignale:
Vergesslichkeit, Negativität, Gleichgültigkeit

Emotionale Warnsignale:
Gereiztheit, Verstimmung, Angst

Verhaltensbezogene Warnsignale:
Zynismus, Rückzug, Intoleranz

Gibt es einen Burnout-Typ?

Um diese interessante Frage zu beantworten, stelle ich noch weitere Experten auf dem Gebiet der Forschung zu Burnout vor.

Herbert Freudenberger wurde bereits erwähnt. Er hat den Begriff Burnout früh geprägt. Da ist dann noch Christina Maslach, die das Maslach Burnout Inventory (MBI), einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung von Burnout, entwickelt hat. Weiters Ina Rösing, die die internationale Forschung zum Thema Burnout analysierte.

Sehen wir uns jetzt an, was diese Experten zur Frage sagen.

Freudenberger beschrieb in seinen Beobachtungen eher begeisterungsfähige, dynamische und zielorientierte Persönlichkeiten. Maslach beobachtete zurückhaltende Menschen mit Mangel an Selbstvertrauen und Ehrgeiz. Rösings Analysen zeigen ein gemischtes Bild: Es gibt Studien, in denen Männer anfälliger waren, und solche, in denen das auf Frauen zutrifft.

Ein eindeutiger Burnout-Typ lässt sich anhand dieser Aussagen nicht ableiten. Das ist auch nachvollziehbar, weil das Syndrom Burnout viele Symptome hat, wie das Phasen-Modell und die Warnsignale zeigen.

Beachte die Risikofaktoren

Burnout ist keine Folge einer einmaligen Belastung. Oft ist es das Zusammenwirken von wiederholten organisatorischen und lang anhaltenden persönlichen Belastungssituationen:

Organisatorische Risikofaktoren:

  • Zu wenig Feedback und mangelnde Wertschätzung
  • Hohe Fluktuation und andauernder Personalmangel
  • Konfliktsituationen und steigender Leistungsdruck

Persönliche Risikofaktoren:

  • Wunsch nach Anerkennung und Zuspruch
  • Tendenz zu Perfektionismus und Ehrgeiz
  • Neigung, sich hochgesteckte Ziele zu setzen

Gerade als weibliche Führungskraft führst du oft zwischen Erwartung und Erschöpfung. Besonders hoch ist die Belastung bei Frauen zwischen 30 und 39 Jahren, also in jener Lebensphase, in der viele Frauen Familien gründen, Führungsrollen übernehmen und parallel Eltern oder Großeltern mehr Unterstützung benötigen. Die sogenannte „Rushhour of Life“ kann ganz rasch zur Dauerbelastung werden.

Was du tun kannst

Burnout-Prävention ist keine Einzellösung. Sie gelingt, wenn auf organisatorischer und persönlicher Ebene Bewusstsein geschaffen und Maßnahmen gesetzt werden. Ich habe hier ein paar Vorschläge zusammengestellt:

Auf organisatorischer Ebene

  • Evaluiere die Arbeitsplätze
  • Sensibilisiere alle Führungskräfte
  • Führe Gespräche mit Mitarbeitenden
  • Kooperiere mit Gesundheitsexperten
  • Erstelle eine Burnout-Präventions-Checkliste

Auf persönlicher Ebene

  • Beachte deine eigenen Grenzen
  • Baue Pausen und Auszeiten ein
  • Erkenne deine eigenen Bedürfnisse
  • Reflektiere deine Ansprüche an dich
  • Lerne, dich bewusst zu entspannen

Jegliche Maßnahmen zur Burnout-Prävention schützen dich als Führungskraft und machen dich gleichzeitig zum Vorbild für dein Team.

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