Ist der Gender Voice Gap der Grund, warum du in Meetings überhört wirst?

Ja. Der Gender Voice Gap ist eine Metapher, die bildhaft erklärt, dass deine Idee in Meetings überhört wird, während Kollegen für denselben Gedanken Status und Anerkennung ernten. Entscheidend ist, deinen Beitrag so zu verankern, dass er dir zugerechnet wird.

Deine Key-Take-Aways auf einen Blick

  • Männer, die konstruktive Beiträge einbringen, gewinnen Status und werden als Führungspersonen wahrgenommen.
  • Frauen, die exakt denselben Inhalt äußern, erhalten signifikant weniger Status und Führungsvorteile.
  • Das Äußern von Bedenken führt weder bei Männern noch bei Frauen zu einem Status- oder Führungsvorteil.
  • Um dieser Form der Verzerrung entgegenzuwirken, braucht es Anerkennung, Zurechnung und Wirkung.

Was verstehe ich unter Gender Voice Gap?

Der Gender Voice Gap ist meine Metapher für die Lücke zwischen Beitrag und Zuschreibung. Sie entsteht, wenn die Ideen von Frauen in Meetings überhört oder ignoriert werden, während Männer für dieselben oder schwächere Ideen Status und Anerkennung gewinnen.

Beiträge werden unterschiedlich bewertet

Lange wurde untersucht, wie Führungskräfte auf Vorschläge von Mitarbeitenden reagieren. Spannend ist die Frage, wie Beiträge von Kolleginnen und Kollegen auf gleicher Ebene wahrgenommen und interpretiert werden.

Die Studie von McClean, E. J., Martin, S. R., Emich, K. J., & Woodruff, T. (2017), veröffentlicht im Academy of Management Journal, untersuchte in zwei unterschiedlichen Kontexten, wie unterschiedlich Männer und Frauen beim Einbringen ihrer Ideen bewertet werden.

Der Befund ist eindeutig: Wie du dich einbringst – und dein Geschlecht – beeinflussen, ob du Status und Anerkennung gewinnst und als Führungspersönlichkeit eingeordnet wirst.

Das ist für dich als weibliche Führungskraft in der Sandwichposition relevant. Wenn du zwar gute Ideen hast, diese aber nicht dir zugerechnet werden, schwächt das deine Position.

Das Problem: Promotive vs. Prohibitive Voice

Die Forschung unterscheidet zwei Arten, wie du dich einbringen kannst:

Promotive Voice: Verbesserungsvorschläge

Du bringst neue Ideen ein, die den Weg nach vorne zeigen. Du schlägst vor, wie Prozesse optimiert, Produkte verbessert oder Strategien geschärft werden können. Diese zukunftsorientierte, konstruktive Art der Stimme ist besonders wertvoll und wird gerne gehört.

Prohibitive Voice: Problemhinweise

Du weist auf Risiken, Fehlentwicklungen oder ineffiziente Abläufe hin. Du identifizierst, was schiefläuft und gestoppt werden sollte. Diese vergangenheits- oder gegenwartsorientierte Stimme ist notwendig, wird aber als kritischer wahrgenommen.

Die Erkenntnis der Studie zeigt: Nur Promotive Voice führte zu Status-Gewinn, aber ausschließlich für Männer.

Derselbe Inhalt, aber unterschiedliche Effekte

Die erwähnte Forschung belegt drei zentrale Punkte:

1. Männer profitieren von konstruktiven Ideen

Männer, die Promotive Voice einsetzen, also Verbesserungsvorschläge machen, werden von ihren Kolleginnen und Kollegen als respektabler wahrgenommen. Sie gewinnen Status und Anerkennung in der Gruppe und werden signifikant häufiger als Führungspersönlichkeit gesehen.

2. Frauen profitieren nicht von konstruktiven Ideen

Frauen, die exakt dasselbe tun, konstruktive Verbesserungsvorschläge einbringen, erhalten keinen Zugewinn an Status und Anerkennung. Der Effekt bleibt vollständig aus. Sie werden demnach eher nicht als Führungspersönlichkeit wahrgenommen.

3. Hinweise auf Probleme bringen keine Vorteile

Prohibitive Voice, also das Hinweisen auf Probleme, führt weder bei Männern noch bei Frauen zu mehr Status oder Anerkennung.

Status und Anerkennung verlangen Strategie

Die Expectation States Theory erklärt, dass Menschen in Gruppen basierend auf zwei Faktoren Status und Anerkennung zugeschrieben bekommen:

1. Was jemand tut: das gezeigte Verhalten.
2. Wer jemand ist: soziale Merkmale.

Veränderungsorientierte Verhaltensweisen, wie das Einbringen von Verbesserungsvorschlägen, entsprechen kulturell eher den Erwartungen an Männer. Wenn ein Mann sich so verhält, gilt das als passend, kompetent und führungsbezogen.

Wenn du als Frau dasselbe tust, weicht dein Verhalten von der geschlechtsbezogenen Erwartung ab. Es wird weniger leicht als „passend“ wahrgenommen. Nicht, weil deine Idee schlechter wäre, sondern weil die soziale Brille, durch die dein Verhalten bewertet wird, anders eingestellt ist.

Das hat sich zwar über die Jahre geändert, ist aber dennoch immer wieder zu beobachten. Sehr oft fehlt es noch immer an einem klaren Machtbewusstsein.

Drei Impulse für mehr Zurechnung und Wirkung

Achte darauf, dass Ideen dir zugeschrieben werden:

1. Baue bewusst Supporter auf.
2. Fordere Wiederholung deiner Beiträge.
3. Schaffe Bewusstsein für diese Verzerrung.

Ich kenne diese Situation aus meiner 30-jährigen Erfahrung in einer Männerdomäne als Frau und Führungskraft nur zu gut. Lass nicht zu, dass der Gender Voice Gap deine Wirksamkeit schmälert.

 

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