Warum geraten weibliche Führungskräfte in die Likeability-Falle?

Likeability Falle
Weibliche Führungskräfte geraten in die Likeability-Falle, wenn ihr Verhalten anders beurteilt wird als das männlicher Kollegen. Dabei geht es darum, dass ein und dasselbe Führungsverhalten bei Frauen eher kritisch und bei Männern eher sympathisch bewertet wird.

Was genau ist eigentlich mit Likeability-Falle gemeint?

Die Likeability-Falle beschreibt das Dilemma, dass Frauen in Führung für das gleiche Verhalten wie ihre männlichen Kollegen anders beurteilt werden. Zeigen sie Durchsetzungsstärke, werden sie schneller als egozentrisch wahrgenommen. Zeigen sie Empathie, wird ihnen mangelnde Führungsstärke unterstellt.

Es scheint, als können sie es nicht richtig machen.

Das Heidi-Howard-Experiment zeigt die bittere Realität

Frank Flynn und Cameron Anderson nutzten im Jahr 2003 eine Fallstudie der Harvard-Business-School über die erfolgreiche Unternehmerin Heidi Roizen für ein Experiment.

Ein Teil der Studierenden las die Studie mit ihrem tatsächlichen Namen Heidi, der andere erhielt inhaltlich dieselbe Version mit dem Namen Howard.

Das Ergebnis machte das Sympathie-Dilemma sichtbar.

Beide galten als kompetent, doch Howard wurde für das beschriebene Verhalten als sympathischer und angenehmer Kollege bewertet, während Heidi als egozentrische und aggressive Kollegin beurteilt wurde.

Man möchte es kaum glauben:

Der Vorname führte bei der Sympathiebewertung zu einem deutlich anderen Ergebnis.

Weibliche Führungskräfte verlieren Sympathiepunkte

Erkennen lässt sich die Likeability-Falle dort, wo nicht nur die Stärken und Kompetenzen der Führungskraft bewertet werden, sondern auch, wie sympathisch sie dabei wirkt.

Im Führungsalltag zeigt sich das zum Beispiel in folgenden Situationen:

  • Verhandlungen: Vertreten weibliche Führungskräfte ihre Interessen bei Gehalt oder anderen Bedingungen, werden sie als fordernd oder schwierig bezeichnet.
  • Kommunikation: Treten weibliche Führungskräfte direkt und bestimmt auf, wird ihr Verhalten als dominant oder unfreundlich eingeordnet.
  • Zusatzarbeit: Von weiblichen Führungskräften wird eher erwartet, dass sie unterstützen. Setzen sie klare Grenzen, riskieren sie, als wenig hilfsbereit oder unkollegial bezeichnet zu werden.

Bedeutet das jetzt, dass du besonders darauf achten sollst, sympathisch zu wirken?

Meine klare Antwort: Nein.

Sympathie darf kein Maßstab für Führungsqualität sein

Die Likeability-Falle lässt sich nicht dadurch vermeiden, dass du als Frau und Führungskraft genauer darauf achtest, wie du auf andere wirkst.

Im Gegenteil:

Wenn du im Führungsalltag versuchst, mögliche Sympathieverluste zu vermeiden, richtest du einen Teil deines Führungsverhaltens an einer Größe aus, die sich kaum steuern lässt.

Das bedeutet nicht, Reaktionen anderer generell zu ignorieren. Feedback und Wirkung sind elementare Bestandteile von Führung.

Entscheidend ist aber, nicht jede Reaktion als Aufforderung zu verstehen, das eigene Verhalten sofort zu verändern. Oder noch schlimmer: das Führungsverhalten vorsorglich danach auszurichten, möglichst sympathisch rüberzukommen.

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